#1 Ruhender Verkehr von Dr. Ulrich Rose 29.08.2016 12:17

In der Hafenstraße als Modellgebiet kann ein autofreier Bereich verwirklicht werden. Da sicherlich ein relativ hoher Anteil von Menschen mit jungen Kindern dort einziehen wird (oder Menschen, die planen, eine Familie zu gründen), sollte von vornherein darauf geachtet werden, dass nicht die Kinder in abgesperrte Bereiche zum ungefährdeten Spielen geschickt, sondern Autos gebündelt außerhalb des "Sozialraums" Straße abgestellt werden.
Dabei darf der Weg zum Auto durchaus länger als der zum nächsten Fahrradabstellplatz oder zur nächsten Bushaltestelle sein: "Erst seit jüngster Zeit haben es einige wenige Kommunen gewagt, die Stellplätze zumindest gebündelt am Randbereich einer Siedlung einzurichten.[...] Wenn der Weg zum Auto nur eine Minute, hingegen zur nächsten Bushaltestelle fünf Minuten dauert, werden die Menschen von achtsamen Verhaltensweisen systematisch abgehalten." (Michael Kopatz, Ökoroutine, München:oekom 2016, S. 203)

Vorbilder für eine solche Organisation der Auto-Stellplätze am Rande der Siedlung zugunsten des Lebens-, Erfahrungs- und Sozialraum für Menschen im Baugebiet selbst gibt es bereits:
"In den Wohnstraßen dominieren die Kinder, die dort mitten in der Lebenswelt der Erwachsenen einen sicheren, ungestörten Spielplatz finden, d.h. ohne auf die üblichen mehr oder weniger kindergerechten "Abstellräume" verbannt zu werden. Sie können sich dort in die familiäre Umgebung integriert fühlen und die Straße als wichtigen Sozialisationsraum erleben, der zur Identitätsbildung zum eigenen Wohnviertel beiträgt. Selbst Kinder im Vorschulalter können sich auf der Straße beim Spielen treffen, ohne sich vorher (nach Abstimmung mit den betroffenen Eltern) in den Wohnungen verabreden zu müssen. Am Beispiel der "stellplatzfreien" Nachbarschaft Langwasser P in Nürnberg wurde untersucht, dass die konsequente Verkehrsberuhigung von Wohnstraßen sowohl positive Auswirkungen für die Selbstverwirklichung der Kleinkinder hat und zu ihrer frühen Selbstständigkeit beiträgt als auch den beaufsichtigenden Elternteilen mehr Freiräume gewährt."
http://www.vauban.de/themen/14-vauban/mo...rkehr-kapitel-5
Insgesamt gutes Beispiel:
http://www.vauban.de

Auch die autofreie Nachbarschaft Langwasser P in Nürnberg hat das Parken an den Rand verlegt, um das innere zum erlebbaren Sozialraum gerade für Kinder zu machen:
http://www.bvlangwasser.de/html/autofrei.html




Bisherige Beiträge dazu:
Die Hafenstr. sollte weitgehend autofrei bleiben, sie ist wertvoll als Flaniermeile bis hin zum Treidelpfad nach Wieck. [zitiert aus: Marsiske]
Öffentliche Angebote wie Carsharing, eine günstige Nahverkehrsanbindung und eine bevorrechtigte Fußgänger- und Radfahreranbindung bieten eine gute Alternative zum eigenen PKW. [zitiert aus: Drebing]
Als Basis muss eine funktionstüchtige Infrastruktur geschaffen werden - inkl. ÖPNV-Anbindung. An bestimmten Standorten kann es sinnvoll sein, auf kostenintensive Bauteile (z.B. ... Tiefgaragen oder Stellplatz-Großanlagen) zu verzichten - konsequenter Weise müssen sich dann alle Bewohner daran halten und auf ihr persönliches Auto verzichten. [zitiert aus: WGG]
Der ruhende Verkehr wird zumeist in Form von Tiefgaragen unter bzw. zwischen die Häuser verlegt und durch oberirdische Stellflächen für Besucher und Gäste ergänzt. Aufgrund ihrer Anordnung und Lage erhalten sie jedoch keine größere optische Präsenz. [zitiert aus: Rabenseifner_Fenster am Fluss]
Notwendige Stellplätze sind in den Sockelzonen der Gebäude, in den Außenbereichen oder Vorzugsweise zentral in mehrgeschossigen Sammelparkern nachzuweisen, die mit schwindendem Bedarf zu Gunsten von Wohnraum zurückgebaut werden können. [zitiert aus: Drebing]
Unterkellerung ist zu vermeiden, max. ein halbes Geschoss unter Gelände ist denkbar für Nebenräume und offenes Parken unter den Häusern. Ähnliches wurde schon an der Wohnresidenz am St. Georgsfeld/ Ecke Hafenstr. ansatzweise praktiziert; wenn auch viel zu hoch und klobig. [zitiert aus: Marsiske]

#2 RE: Ruhender Verkehr von BauA_JK 29.08.2016 12:50

Die Stadt hatte am Samstag (27.8.) gerade Besuch aus der Partnerstatdt Lund. Auch da werden die Autos aus einigen Wohnviertel gebannt. Wir waren bei der Überlegung stehen geblieben, mal in Lund zu diesem Thema einen Workshop zu machen. Mal schauen, wie es sich entwickelt.

#3 RE: Ruhender Verkehr von Daniel R 31.08.2016 14:44

Da in dem Einstieg das malerische Bild spielender Kinder gezeichnet wird möchte ich dazu Position beziehen. Erstmal ist es zu begrüßen, dass die Parkplätze außerhalb geplant werden könnten. Diese sollten ausreichend zur Verfügung gestellt werden. Gerne auch umschlossen mit E-Tanke und PV-Carport. Jedoch sollten im Bereich zum Zwecke des Be- und Entladens Kurzzeitparkplätze eingerichtet werden. Nicht ist bescheidener als 5 Minuten mit Baby und Wocheneinkauf vom Parkplatz sich abschleppen zu müssen (Eigene Erfahrung). Baulich könnten die Straßen dann vorm Haus minimiert und als Verkehrsberuhigter Bereich entstehen. Dieser kann dann ebenfalls als Spielstraße von den Kindern genutzt werden. Besonders da kein Durchgangsverkehr zu erwarten ist. Funktioniert auf Dörfern super! Andernfalls wie schon im Einstieg erwähnt die Karreelösung mit schönem Innenhof nutzen!

#4 RE: Ruhender Verkehr von BauA_JK 01.09.2016 11:17

Genau. Das sind zwei Aspekte, die unbedingt dazu gehören, wenn man Autos im Viertel reduzieren will:
a) Kurzzeitparken für Be-/Entladen etc. muss dennoch möglich sein
b) der dann beruhigte Verkehrsbereich sollte dann für die Anwohner einen erkennbaren Mehrwert bieten (Spiel- & Bewegungsflächen für Klein & Größer; mitgestaltbares Grün, z.B. im Rahmen Essbare Stadt; Kommunkationsflächen ...)

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